Kurzer Einblick in die Geschichte und Gegenwart des ehemaligen Benediktinerinnenklosters

Sechs Kilometer nordöstlich der Stadt Bramsche im Osnabrücker Land liegt das Kloster Malgarten malerisch am Ufer der Hohen Hase.

Der Name Malgarten deutet vermutlich auf einen sehr alten Gerichtsplatz (altdeutsch: mahal). Archäologische Funde lassen auf eine Besiedlung seit dem ersten Jahrhundert nach Christus schließen. Die ältesten Ausgrabungsgegenstände werden auf die Zeit 3.000 bis 4.000 vor Christus datiert!

Benediktinerinnenkloster seit 1194

Simon Graf von Tecklenburg und seine Mutter Eilika gründeten 1175 in Essen/Oldenburg ein Nonnenkloster. Nach einem Brand wurde das Kloster nach Malgarten verlegt, wo sich vermutlich der Witwensitz der Mutter befand.
Die durchschnittlich 10-12 hier lebenden Nonnen (Chorschwestern) stammten aus dem niederen Landadel. Die Benediktinerinnen, die das Gelübde der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams abgelegt hatten, lebten nach dem Grundsatz „ora et labora“ (bete und arbeite). Vielfache Gebetszeiten und die Arbeit mit u.a. Spinnen und Weben kennzeichneten den Tag und die Nacht. Zum Kloster gehörten zudem Laienschwestern, Tagelöhner, Handwerker, Fuhrleute… Es existierte von den Erträgen der Landwirtschaft sowie der Tuchherstellung und besaß die feudalen Rechte eines Großgrundbesitzers. Die Schafschurscheren finden Sie als Symbol über dem Eingang der Abtei (Haus Nr. 6 neben der Kirche) – dort sind auch Bierkrüge zu sehen, denn die Nonnen brauten ihr eigenes (Kräuter- oder Grut-)Bier.
Das Kloster Malgarten blieb in den konfessionellen Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges (überwiegend) katholisch. Die Bramscher Region selbst war lutherisch, Malgarten wurde zur katholischen Insel im evangelischen Umland. Schutzpatronin war Maria, deren Darstellung Sie mehrfach im Kloster finden: Bereits beim Betreten des Geländes sehen Sie am Torhaus eine sehr qualitätsvolle Kartusche von 1717 mit der „Maria im Strahlenkranz“ und dem lateinischen Text „In hoc insigne scutum esto“ (In diesem Zeichen sei unser Schutz.)

Auflösung des Klosters 1803

1803 wurde das Kloster Malgarten, wie alle Klöster des Bistums Osnabrück, säkularisiert. In den folgenden Jahrzehnten wurden in den Klostergebäuden verschiedene staatliche Institutionen untergebracht, so von 1815 – 1932 das Amt Vörden mit Verwaltung, Gericht und Gefängniszellen. In dieser Zeit entstand das Amtsrichtergebäude. Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Gebäude für Zwecke der Nationalsozialisten genutzt und danach als Flüchtlingswohnungen, anschließend als Landschulheim und Jugendherberge (Amtsrichterhaus). In den Folgejahren verfiel das Kloster zusehends.


Pfarrkirche seit 1815

Die spätromanische Klosterkirche aus dem 13. Jhdt. wurde 1815 zur Pfarrkirche erhoben und beherbergt bis heute eine lebendige katholische Kirchengemeinde. Besonders bemerkenswert ist das Chorgestühl von 1605, die umfangreich erhaltene Barockausstattung von ca. 1690 aus der Werkstatt Jöllemann und Söhne (Quakenbrück), das Rokoko-Stuckrelief in den drei Gewölben aus dem 18. Jhdt. sowie das Kreuz von 1936 im Triumphbogen. Die Kirche St. Johannes Evangelist zählt zu den kunsthistorischen Kleinoden im Osnabrücker Land und darüber hinaus. Sie ist tagsüber geöffnet (bis 18.00 Uhr).

Regelmäßige Gottesdienste:
Donnerstag, 8.30 Uhr (Heilige Messe) und Samstag, 18.00 Uhr (Sonntag-Vorabendmesse)

Sondergottesdienste:
Trauungen, Taufen u. a. nach Absprache

Info / Kontakt:
Pfarrbüro St. Martinus, Bramsche-Innenstadt
Tel: 05461 4366
Email: pfarrbuero@st-martinus-bramsche.de
oder vor Ort:
Ehepaar Schwalenberg
Am Kloster 7
Tel: 05461 4064

 


Nutzung der Anlage seit 1986

1986 ging die gesamte Klosteranlage – außer der Kirche, den beiden Friedhöfen und dem ehemaligen Pfarrhaus mit Garten – in Privatbesitz über und wird seitdem unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer und ökologischer Gesichtspunkte restauriert. So gelingt es, wertvolle historische Bausubstanz zu erhalten und diese einer modernen Nutzung zuzuführen. Es entstanden und entstehen attraktive Wohnungen sowie Ateliers und Werkstätten und die Galerie im Kreuzgang. Im Konvent – dem ältesten Gebäude – sowie dem Amtsrichterhaus und in weiteren Gebäuden befindet sich das „Seminar- und Gästehaus“ und mit der Konzertscheune gibt es einen großen öffentlich nutzbaren Raum, in dem auch die überregional bekannten „Malgartener Klosterkonzerte“ stattfinden. Nördlich des Torhauses gehören weitere Gebäude zum Klosterensemble, u.a. das gern besuchte „Ristorante Da Pino“. Weitere Gebäude befinden sich im Auf- oder Umbau. Im August 2019 wurde die Museumsscheune mit der Dauerausstellung „Raum für Sophia“ eingeweiht.

Interessierte Menschen, die hier eine Wohnung und / oder ein Wirkungsfeld suchen, können sich an den Eigentümer der Klosteranlage wenden:

Dr. Andreas Wilhelm
Tel: 0541 945 382 05
Email: a.wilhelm@mailnet.de

 

 

Naturnahes Klostergelände

Das naturnahe, ca. 4 ha große und kreativ gestaltete Außengelände umfasst unterschiedliche Lebensräume wie die Hohe Hase, die Klostergräfte sowie den teilweise vernässten Eichen-Hainbuchenwald mit angrenzender Weide. Alle Bereiche beherbergen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Das Gelände lädt mit seinen beeindruckenden, alten Bäumen und seinen lauschigen Pfaden und Plätzen zum Spazieren und Verweilen ein und wird im Laufe der Zeit behutsam weiter erschlossen.Neben der Haltung von Hühnern und Bienen wird auch Obst und Gemüse angebaut. Ein Teil des Geländes wird von hier lebenden Forumsmitgliedern individuell gestaltet. Diese „Offenen Gärten“ können mit oder ohne Anmeldung besichtigt werden (siehe auch unter Angebote).